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Schnitz|Stand|Ort Bad Kissingen

Spielwaren und Souvenirhandel

GESCHICHTE

Kissingens Aufstieg zu einer Kurstadt von Weltruf nahm seinen Anfang unter der Herrschaft König Ludwigs I. von Bayern: Der königliche Architekt Friedrich von Gärtner errichtete in den 1830er Jahren prachtvolle Kuranlagen und private Unternehmer investierten zugleich in die ersten luxuriösen Hotels – mit Erfolg! Zwischen 1830 und 1840 vervierfachte sich die Zahl der Kurgäste.

Der wachsende Kurbetrieb brachte auch den Handwerkern und Händlern in Kissingen neue Kundschaft.
Allerdings mussten Angebot und Sortiment eigens auf die Gäste abgestimmt werden. Schon das erste offizielle Adressbuch der Stadt Kissingen führte 1838 auch einen „Holzspielwaarenhändler“ auf: Georg Kaiser war Drechsler, stellte auf seiner Drehbank aber auch Spielzeug her. Zur Jahrhundertmitte eröffnete eine erste Galanteriewaren-Handlung, die kleine modische Accessoires zum Verkauf bot. 1865 machten ihr schon vier weitere Geschäfte Konkurrenz: Darunter größere Läden für Andenken, Souvenirs und wohl auch Spielwaren, sowie erneut drei Drechsler mit ihrem weitgehend selbstproduzierten Angebot!

Als Kissingen zum Weltbad aufstieg und der Verkaufserfolg wuchs, reichte die Eigenproduktion endgültig nicht mehr aus. Die Händler mussten dringend neue Produzenten und Zulieferer gewinnen. Dem Unternehmer Friedrich Meinel kam daher 1877 der Besuch des Holzschnitzers Hilarius Katzenberger aus Sandberg gerade recht. Er richtete diesem zu Hause am Kreuzberg einen Schnitzbetrieb ein, und ließ sich fortan mit Rhöner Holzspielzeug beliefern.

Längst nicht alle Holzschnitzer in der Rhön fanden solche Abnehmer. Viele waren stattdessen gezwungen, ihre Ware direkt zu verkaufen. Mit Körben voller Schnitzereien kamen sie in die Kurstadt und boten ihre Erzeugnisse als Wanderhändler entlang der Kurpromenade an – die Chancen standen gut, unter den zahlreichen Gästen Käufer zu finden.

FRIEDRICH MEINELS HANDELSUNTERNEHMEN

Die Herstellung von Musikinstrumenten ist im Vogtland weit verbreitet. Für Friedrich Meinel aus dem
vogtländischen Klingenthal war es daher naheliegend, einen Instrumentenhandel zu eröffnen, als er sich 1877 in Kissingen niederließ. Noch im selben Jahr heiratete er die Drechsler- und Kaufmannstochter Antonie Zapf: Er übernahm das Geschäft der Schwiegereltern und baute gezielt das Angebot an Schnitzwaren und Holzspielzeug aus.

Fast sofort gründete er in Sandberg am Kreuzberg eine „Schnitzschule“, in der ungelernte Arbeiter unter Anleitung eines Holzschnitzers Tierfiguren und Spielzeug anfertigten. Auf eine Bemalung wurde verzichtet und so entwickelten sich vor allem die „Natura weissen Holzpferde“ zu einer Spezialität, die 1882 auf der Bayerischen Gewerbeausstellung in Nürnberg erstmals mit einer Medaille ausgezeichnet wurde. Bald nahm Meinel neben Rhöner Tierfiguren auch „Nürnberger, Schweizer und Sächsische Spielwaren“ in sein Verkaufsprogramm auf. Zugleich vertrieb er seine Rhöner Ware bis nach England, China oder in die USA. Heute sind „weiße Pferde“ in der Spielzeugwelt im Museum Obere Saline in Bad Kissingen zu sehen.

Bei aller Umtriebigkeit galt Meinel dennoch als vorbildlicher Unternehmer mit einem sozialen Gewissen. Vor allem sein Betrieb in Sandberg, der bis zu 30 Arbeitern Lohn verschaffte, wurde ihm hoch angerechnet. Als Friedrich Meinel 1911 starb, brach auch das Schnitzgewerbe in Sandberg ein. Es fehlte Meinels reger Unternehmergeist.

BAD KISSINGENS KURGÄSTE

Lange war das Verhältnis zwischen den Holzschnitzern aus der Rhön und dem Kissinger Kurpublikum sehr einseitig: Nur in der Stadt konnten die Schnitzwaren verkauft werden – Gegenbesuche der Kurgäste in den Schnitzdörfern unterblieben. Ein internationales Reisejournal vermerkte noch 1881, dass „die Rhön in der großen Touristenwelt kaum gekannt ist“. Neue Reiseführer, der Rhönklub und vor allem die Erschließung des Gebirges durch Bahnlinien änderten dies zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Für die Kissinger Kurgäste wurden Ausflüge ins Rhöngebirge nun zu einem beliebten Programmpunkt. Dabei stand der Kreuzberg ganz oben auf dem Besichtigungsprogramm und Bischofsheim war mit seinem Bahnhof der Ausgangspunkt solcher Touren. Um den sich abzeichnenden Touristenstrom zu nutzen, hatte die Bischofsheimer Schnitzschule schon 1879 einen Ausstellungspavillon im „Schweizerstil“ errichtet, in dem sie die Erzeugnisse ihrer Schüler zum Kauf anbot. Auch auf dem Kreuzberg konnten sie erworben werden. Später richteten sich dann auch die selbstständigen Schnitzbetriebe am Kreuzberg auf Besuche der Kundschaft in der Werkstatt ein.

Heute nutzt das Projekt Schnitz|Stand|Ort|Rhön die traditionellen Verbindungen zwischen der Kurstadt und dem Rhöngebirge, um erneut interessierte Kurgäste auf die Spuren der Holzschnitzerei zu locken.

Bildnachweise: Hist. Foto Kurpark und Schaufenster Kirchner: Stadtarchiv Bad Kissingen Fotosammlung, Foto Weißes Pferd: Hilla Schütze, Foto Geschäftshaus Meinel: privat

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